Wing Chun Training & Techniken – Formen (Taolu)


Siu Lim Tao

Die kleine Idee

Siu Lim Tao ist die erste von sechs Formen, die man in unserem Wing Chun System erlernt und wird als “ABC des Wing Chun Stils” bezeichnet. Sie bildet die Basis und umfasst somit ein großes Spektrum an extrem praktikablen Angriffs- und Abwehr-Bewegungen, die als Grundlage im Nahkampf unerlässlich sind.

Besonderes Augenmerk wird bei uns auf das Durchfließen der Arm-Positionen im optimalen Timing und der richtigen Distanz zum Gegner gelegt. Die Angriffs- und Abwehrtechniken werden nahezu zeitgleich ausgeführt. Dabei übernimmt jeder Teilbereich des Körpers unterschiedliche, kooperierende Aufgaben. Aus der Rumpfstabilität wird über die richtige Knochenstruktur Kraft explosiv auf die Arme übertragen. Durch die Schulter- und Ellenbogenpositionen wird hauptsächlich die 3D-Abwehr geleistet, während dessen erfolgt der Angriff timinggerecht über die Unterarme und den rotierenden Einsatz der Handgelenke. Der gesamte Körper unterstützt durch Spannung die nach vorne strömenden Techniken. Durch das Üben der Techniken in verschiedenen praxisorientierten Anwendungen entwickelt man optimale Fertigkeiten. Im Nahkampf ist man dadurch fähig, den Gegner perma-konsequent weder näher ran, noch weiter weg zu lassen.

Unsere Techniken wurden und werden über das traditionelle Wing Chun hinaus, seit Jahrzehnten von Großmeister Wan Kam Leung biomechanisch überarbeitet. Sobald man Kontakt auf kurzer Distanz hergestellt hat, macht unsere Siu Lim Tao die Kontrolle eines Gegners optimal möglich.

 

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Cham Kiu

Die sinkende Brücke

Cham Kiu (“sinkende, suchende Brücke zum Gegner”), unsere zweite Form, wurde von Wan Sifu für den Kampf aus verschieden langen Distanzen optimiert. Sie erweitert das bisher erlernte Wissen mit neuen Bewegungen, Fußtritten, sowie Greif- und Hebeltechniken.

Über die Schrittarbeit wird der Raum zum Gegner schnell und konsequent geschlossen. Dadurch kompensiert man die aus längerer Distanz entstehende größere Wucht der Angreifenden. Über diese sogenannte sinkende, suchende Brücke zum Gegner, bringen wir uns dann wieder in die bereits bekannte Siu Lim Tao Distanz und deren Techniken, die nun mit den Cham Kiu Techniken verschmelzen.

Die erlernten Basis-Fähigkeiten werden durch die Cham Kiu automatisch durchdringend verstärkt. Wieder liegt die Aufmerksamkeit auf der Symbiose des Rumpfes und der Armpositionen. Zusätzlich kommt der Druck des Körpers durch Schrittarbeit und der Fluss der Hüfte durch Wendung dazu. Die hieraus zusätzliche gewonnene Energie nutzen wir, um dem oder den Gegnern entgegen zu treten, sie umzulenken oder sie auf Abstand zu zwingen. Das konsequent schnelle Ausrichten und Zulaufen des Raumes ermöglicht jetzt grundsätzlich den Kampf mit mehreren Gegnern.

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Biu Jee

Die stoßenden Finger

Biu Jee, unsere dritte Form, setzt voraus, dass die ersten beiden Formen verstanden und grundsätzlich praktiziert werden können. Sie enthält darauf aufbauend, sowohl kurze, als  auch lange Bewegungen. Dabei werden Ellenbogenhebel und -stöße, kurze Punches, Schläge mit offenen Händen, stechende und sich verhakende Finger mit Fußfegern kombiniert. Hier sind schnelle Richtungswechsel (oben, unten, links, rechts, kurz, lang) maßgebend. Biu Jee ist für vorausschauende Konter-Angriffe und Verteidigung im letzten Moment auf kürzester Distanz bestimmt. Sie enthält Techniken, die für den Kampf mit mehreren Gegnern unerlässlich sind.

Durch die dritte Form bekommt man ein noch tieferes Verständnis. Man lernt die eigene zusammenhängende Körper-Struktur so zu zentrieren, dass maximale Power auf kürzester Distanz entfaltet wird. Dies führt dazu, dass durch Anwenden der Techniken als Ganzes, die Struktur des Gegners direkt und vollständig im Ansatz erheblich gestört wird. Zudem bekommt man die Gelassenheit und das richtige Distanzgefühl, um Angriffe vorausschauend oder im letzten Moment aktionsbedingt, intuitiv  zu kontern . Dabei spielen die Handgelenke, Handkanten und Finger, als letztes Glied in der Kette, oft eine besondere Rolle.

Aufgrund Wan Sifu`s Weiterentwicklung und konsequenter Kombination aller drei Formen, ist ein Kampf so möglich, dass Gegner schnell und vollständig außer Gefecht gesetzt werden.

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Mok Yan Jong

Die Holzpuppe

Mok Yan Jong  – im Volksmund die Holzpuppen-Form genannt, ist die vierte unserer waffenlosen Formen. Sie setzt sich hauptsächlich aus den Techniken der Siu Lim Tao, Cham Kiu und Biu Jee zusammen und wird folglich als Letztes erlernt. Der markante Unterschied zu den vorangegangenen Formen ist, dass sie großteils an einem Trainingsgerät (Holzpuppe) praktiziert wird.

Der hölzerne Mann tritt als stiller Gegner an die Stelle des realen Angreifers. Dadurch, dass er sich nicht bewegt, ist es notwendig um ihn herum zu arbeiten. Das Üben neuer Kombinationen und des damit verbundenen Timings unterstützt den Fluss und die Verinnerlichung der bereits erlernten Techniken. In Einheit mit dem Stand, dem Wenden, dem Treten und dem Ansaugen in die richtige Distanz zur Holzpuppe, entwickelt man ein Gefühl für die korrekte Kraftentfaltung. Man lernt diese vom eigenen Körper auf den hölzernen Mann – und somit im Ernstfall auf den realen Angreifer – zu übertragen. Hier kann man wesentlich mehr Zug-, Druck-, Schlag-, Tritt- und Hebel-Techniken kombiniert in Echtzeit explosiv und kraftvoll ausüben, als mit einem menschlichen Trainingspartner.

Teilausschnitte der Formen hat Wan Sifu am hölzernen Mann so kombi-optimiert, dass sie echt angewandt, die Struktur der Gegner brechen und ihnen den Raum für Angriffe und Konter ansatzlos nehmen. Dadurch lässt sich das Kampfgeschehen aus allen Distanzen schnell und effektiv im Ansatz beenden.

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Baat Cham Dao

Die Doppelmesser

Die erste Waffenform des Wing Chun. Diese Form enthält Angriffe und Handpositionen, welche die in Siu Lim Tao, Cham Kiu und Biu Jee erlernten Positionen und Angriffe wiederspiegeln. Die Messer werden zu einer Verlängerung der Arme des Ausübenden; sie verursachen verheerende Resultate.

Der korrekte Gebrauch der Messer erzeugt große Kraft in den Handgelenken des Praktizierenden. Diese Kraft ist für die korrekte Schneidewirkung der Klingen sehr wichtig.

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Lok Dim Boon Gwan

Der Langstock

Der Gwan (Stock) ist die zuletzt erlernte Waffe im Wing Chun. Durch seine Länge ist er ein nützliches Werkzeug, um weiter entfernte Gegner zu bekämpfen. Besonders, wenn der Gegner mit Messern oder einer ähnlichen Nahkampfwaffe bewehrt ist.

Der korrekte Gebrauch des Stocks entwickelt Kraft in den Armen und in den Schultern. Der einzunehmende Stand unterscheidet sich stark von den anderen Formen des Wing Chun. Er ist tiefer und die Angriffe werden seitlich ausgeführt.

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